Katastrophales Insektensterben

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Katastrophales Insektensterben –             aktueller wissenschaftlicher Bericht

Der stumme Frühling der Rachel Carson rückt in bedenklich greifbare Nähe!

Am 18.Oktober 2017 hat eine ernst zu nehmende Forschergruppe darüber berichtet, dass die Biomasse fliegender Insekten in Deutschland  in den vergangenen etwa 30 Jahren um über 75 Prozent zurückgegangen ist (*). Im Sommer sind es sogar mehr als 80% und anzunehmen ist, dass es in manchen Gegenden über 90% sind. Sicherlich werden sich Leute finden, die dieses Ergebnis in bekannter Manier bestreiten, relativeren, gegen Anderes auszuspielen versuchen. Die Ursache für diesen Rückgang an Individuen (und auch Arten?) von Insekten ist noch nicht im Einzelnen bekannt. Die Autoren der zitierten Studie sehen vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft mit ihrem hohen Pestizid- und Düngereinsatz und ihren großflächigen Monokulturen als wahrscheinlichen Hauptgrund. Genau genommen haben auch wir Naturschützer hier wieder einmal etwas verschlafen: zumindest die älteren von uns (von denen die meisten ja leider Autofahrer sind), mussten noch vor nicht allzu vielen Jahren ihre Fahrten regelmäßig unterbrechen, um die Autofrontscheibe von einer Schicht aufgeprallter, zerquetschter, angeklebter Insekten zu säubern, um wieder ausreichend Sicht zu bekommen. Wir haben nicht aufgeschrien, als dies in den letzten Jahren immer seltener erforderlich wurde, und es heute so gut wie gar nicht mehr erforderlich ist. Bekanntlich sind Insekten Nahrungsgrundlage für zahlreiche Tiere, wie  z. B. (aber nicht nur) Vögel und Fledermäuse und sie spielen für die Pflanzenwelt, für ganze Ökosysteme eine wichtige Rolle. Deshalb wird es nach den Insekten zahlreiche andere Artengruppen ebenfalls mit aller Härte treffen.
Vor 55 Jahren hatte Rachel Carson in den USA das Buch „Der stumme Frühling“ über die katastrophalen Auswirkungen des damals massenweise praktizierten Einsatzes von Insektiziden, insbesondere von Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) geschrieben und damit die amerikanische Öffentlichkeit und die amerikanische Politik wachgerüttelt (**). Damals gab es dazu intensiven Gegenwind, d. h. die schädlichen Wirkungen von DDT auf Menschen und Tiere wurden erst geleugnet und belästert, dann verharmlost und schließlich wurden sie gegen die im Falle eines DDT-Verbotes ausbleibenden Erfolge des Einsatzes von DDT gegen Malaria übertragende Mücken und Schadinsekten der Landwirtschaft in armen Ländern ausgespielt. Und wie zu erwarten war der Chemiekonzern Monsato eine der wichtigsten dieser Gegenstimmen, die übrigens bis heute nicht verstummen. Zweifelsfreie, möglichst auf zuverlässigen Zahlenangaben beruhende Belege für Schädigungen des Naturhaushaltes durch Chemikalien sind oftmals schwer und nur mit großem finanziellen Aufwand zu erbringen. Dass sich DDT innerhalb der Nahrungskette anreichert und beispielsweise bei vielen Greifvogelarten zu Dünnschaligkeit der Eier führt, was u. a. die zeitweise Ausrottung des Wanderfalken in weiten Teilen Europas und Deutschlands – darunter auch in ganz Sachsen – bewirkte, war jedoch zweifelsfrei bewiesen worden. In der Bundesrepublik Deutschland ist es seit 1972 verboten, DDT auszubringen. Obwohl DDT langlebig ist und noch Jahrzehnte nach seinem Einsatz nachgewiesen werden kann, konnte der rapide Rückgang der Greifvogelbestände durch das Verbot und die Ächtung von DDT in vielen Ländern gestoppt werden und es setzte eine Erholung ihrer Bestände ein.
Mit dem aktuellen schockierenden Rückgang der Insekten ist der stumme Frühling jetzt in greifbare Nähe herangerückt! Erschreckend an diesem Ergebnis ist ja nicht nur das große Ausmaß des Rückgangs an Insekten sondern vor allem auch die kurze Zeit, in der das geschah. Wird das so weitergehen? Können wir wirksam dagegen vorgehen? Wir alle – jeder an seinem Platz - sind aufgerufen, an der Aufklärung der Ursachen mitzuwirken und daraus abgeleitete Konzepte für Gegenmaßnahmen mit aller Konsequenz gemeinsam bei den Politikern durchzusetzen.


* C. A. Hallmann, M. Sorg, E. Jongejans, H. Siepel, N. Hofland, H. Schwan, W.  Stenmans, A. Müller, H. Sumser, T. Hörren, D. Goulson, H. de Kron, More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PloS one, 12(2017), e0185809.

** R. Carson, „Silent Spring“, Houghton Mifflin Company, Boston 1962. (Inzwischen existieren   zahlreiche Übersetzungen ins Deutsche: „Der stumme Frühling“.)
                                                               Karl-Hartmut Müller